Dienstag, 2. August 2016

[RR] Sascha Koslowski - Viel Esoterik, wenig Kritik


Textfassung:

Der YouTuber Sascha Koslowski, bekannt geworden als Teil des Comedy-Duos "Die Aussenseiter" und der Verköperung seiner Rolle des grenzdebilen Herberts, präsentiert seinen Zuschauern neuerdings eine ganz andere, nachdenkliche Seite. Aus einem der Unterhaltung verschriebenen Comedy-YouTuber wurde binnen weniger Videos ein waschechter Esoterik-YouTuber. In seinem neuesten Video mit dem Namen "Existenz", predigt er geschlagene 50 Minuten seinen Glauben an Lichtwesen, Karma und Co.

Und die Fans? Die finden den neuen Sascha toll. Viele Video-Kommentatoren danken ihm fürs Augenöffnen und die Inspiration, die sie durch seine spirituellen Ergüsse erhielten. Manche denken sogar, es würde sich um Bildung halten, die sie da vermittelt bekommen. Kritische Stimmen sucht man hingegen vergeblich. Und neeein, Fragen nach Saschas Verhältnis zu Drogen gehen nicht als besonders kritisch durch.

Ich habe mir mal notiert, an was unser Guru glaubt bzw. uns glauben lässt:
  1. Wie bereits angedeutet glaubt er, der Mensch habe sein Wissen durch außerirdische Lichtwesen erhalten. Zeitgleich distanziert er sich von der Evolutionstheorie. Die Natur hält sich laut ihm sowieso nicht an die Gesetze der Logik. Fängt ja schon mal gut an!
  2. Desweiteren ist er der Überzeugung, wir besäßen sog. Chakren, also Energiezentren, die mal mehr und mal weniger mit Energie gefüllt sein können. Durch Masturbation würden wir Energie verlieren, durch Meditation Energie gewinnen.
  3. Durch Meditation können wir aber nicht nur unseren Energiehaushalt auf Vordermann bringen, sondern auch reisen. Und zwar in höhere Dimensionen, in denen wir z.B. auch jene Energie fließen sehen können.
  4. Was noch fließt, aber so gut wie immer tot ist, ist Wasser. Außer man aktiviert es mit Mineralien, welche man käuflich erwerben kann (Stichwort: Wasserbelebung).  So schützt es vor Krankheiten und verlangsamt den Alterungsprozess. Dieses Wasser-Wissen, bei dem Sascha zuerst selbst ein bisschen stutzig wird, hat er irgendwann mal von einem Mann aus der Ukraine vermittelt bekommen. Dieser sah aus wie ein 25-jähriger, obwohl er schon 40 war! Dann muss da wohl was dran sein, so Saschas Schlussfolgerung.
  5. Weiter geht's mit dem Dauerbrenner Karma. Was das ist, werde ich an dieser Stelle nicht ausführen, verweise stattdessen lieber auf ein Video von mir, in dem ich damit abgerechnet habe. Ohnehin geht's schließlich um Saschas Ansichten bzgl. dieses fernöstlichen Konzepts. Er versteht Karma als sog. Vorprägung, welche auf das Leben vor dem aktuellen Leben zurückzuführen ist. Menschen, die in Armut leben oder mit Depressionen zu kämpfen haben, bemitleidet er zwar, sieht in ihrem Leid aber Lektionen, die gemeistert werden müssten.
  6. Was war da noch? Achja! Astrologie! Unser Sternzeichen bestimmt welchem Naturelement wir angehören. Seine Schlussfolgerungen dazu: Wassermenschen passen gut zu Erdemenschen und Feuermenschen gut zu Luftmenschen. Klingt ja auch logisch und kein bisschen absurd.
  7. Und, Sascha, was ist denn nun Sinn unserer Existenz? Antwort: Wir wollen entweder Engeln oder Dämonen gefallen. Aaaalles klar!
Wäre Saschas Eso-Vortrag Teil eines neuen Comedy-Programms, hätte ich noch so gerade drüber lachen können. Doch leider scheint dem nicht so zu sein und wir müssen uns eingestehen, dass der Esoterik-Boom den Mainstream YouTube-Deutschlands erreicht hat. Saschas Kanal ist mit fast 820 Tsd. Abonnenten zu groß, um ihn dafür zu belächeln. Er ebnet mit solchen Lehrstücken den Weg junger Zuschauer hin zu irrationalen Glaubenssystemen. Und wer versucht Wissen durch Glauben zu ersetzen, baut sich ein Weltbild auf, innerhalb dessen Fakten keinen Wert mehr haben. Wie gefährlich das für Leib und Leben werden kann (kein Alarmismus!), fasst zum Beispiel die Sekten-Info NRW ganz gut zusammen.

Saschas Video wurde innerhalb kürzester Zeit tausendfach angeklickt und tausendfach für gut befunden. Es handelt sich hier also keineswegs um einen kleinen YouTuber ohne Reichweite. Umso wichtiger ist mir eine kritische Betrachtung seiner Inhalte. Wir sprechen bei großen YouTubern und anderen Social-Media Größen nicht umsonst von Influencern. Sie genießen das Vertrauen ihrer Zielgruppe und wirken durch ihr Tun selbsterständlich auch auf sie ein. Naiv wäre es, diesen Effekt klein zu reden.

YouTube, wo sind deine Kritikerinnen und Kritiker?

Wir brauchen dringend mehr Menschen, die sich mit YouTube und den Inhalten seiner Protagonisten kritisch befassen. Hin und wieder gibt es Debatten, die die aktuellen Probleme dieser Plattform aufzeigen. Allerdings kommt es mir dabei oft so vor, als wolle man lediglich offene Türen einrennen und 'ne Runde Beifall ernten. Es bringt herzlich wenig, jemanden bei erhobenem Zeigefinger anzuschießen, um selbigen anschließend in die Wunde zu legen. YouTuber, die zum Beispiel sexistische Videos produzieren, werden ihren fragwürdigen Content nicht ändern, wenn man ihnen zeigt wie arrogant und herablassend man auf sie einwirken kann. Vielen scheint es leider mehr um Selbstpositionierung, statt Veränderung zu gehen. Das ist nicht nur schade, sondern auch schädlich - für eine Plattform, auf der Kritik oft ein anderes Wort für Hate ist.

Donnerstag, 21. Juli 2016

[RR] Psychologische Fakten gegen Sexismus


Textfassung:

Anlass zu diesem Video gab mir ein broadly-Artikel von Marie Meimberg, die der deutschen YouTube-Szene in Sachen Sexismus auf den Zahn gefühlt hat. Mithilfe verschiedener Beispiele aus dem Potpourrie angesagter Kanäle und Videos belegte sie, dass viele Inhalte auf YouTube und Umgebung nur so von Geschlechterstereotypen triefen. Meimberg regte mit ihrer Analyse eine hitzige Diskussion unter YouTubern an. Jene denen der Artikel gewidmet war, fühlten sich angegriffen und gaben sich augenscheinlich kritikresistent. Anderen sprach sie aus der Seele. Bei Twitter konnte man daraufhin einige Grabenkämpfe zwischen diesen beiden Lagern verfolgen.

Was mir dabei auffiel: Persönliche Ansichten trafen meist auf andere persönliche Ansichten oder schwache Ablenkungsmanöver. Und somit fehlte es in der gesamten Debatte an stichhaltigen Argumenten. Die Quintessenz der Herausforderer bestand darin Sexismus, Geschlechterrollen und Stereotypisierungen kacke zu finden, da sie unzeitgemäß, beschränkend und eben auch kacke seien. Das trifft durchaus zu. Allerdings war die Sache mit diesen unscharfen Begründungen abgefrühstückt und wurde viel zu früh ad acta gelegt. Deswegen möchte ich an dieser Stelle neu anknüpfen und einfach mal das Warum beleuchten.

Warum ist Sexismus kacke?

Fangen wir bei dem Konzept der Geschlechterstereotypen an. Unter Geschlechterstereotypen versteht man sozial geteiltes Wissen über charakteristische, also typische Merkmale von Frauen und Männern. Um diese zu erfassen besteht eine Möglichkeit darin beiden Geschlechtern Eigenschaftslisten vorzulegen, was man im Rahmen einiger Studien natürlich auch schon häufiger tat. Das Ergebnis: Frauen zeichnen sich demnach durch eine hohe Wärme bzw. Gemeinschaftsorientierung aus, Männer hingegen durch eine hohe aufgabenbezogene Kompetenz bzw. Selbstbehauptung.

Woher kommt aber dieses Denken, welches einem Geschlecht bestimmte Eigenschaften zuschreibt? Dazu müssen wir noch ein bisschen tiefer einsteigen und uns die Geschlechterrollen vornehmen. Jeder Mensch schlüpft je nach Kontext in verschiedene soziale Rollen, die wiederum an unterschiedliche Verhaltenserwartungen geknüpft sind. Man erwartet von einem Menschen, dass er sich in der Berufsrolle des Abteilungsleiters oder der Abteilungsleiterin anders verhält als beispielsweise in seiner bzw. ihrer Familienrolle. Klar! So erwartet man von uns auch aufgrund unseres Geschlechts ein bestimmtes rollenkonformes Verhalten. Und fällt man aus der Rolle, wird also der Norm nicht gerecht, muss man mit Formen der Bestrafung rechnen. Männer, die zu viele Gefühle zeigen oder ängstlich sind werden dann zum Beispiel oft als Weicheier bezeichnet. Frauen, die viel Sport treiben und sich die Haare kurz schneiden gelten schnell als Mannsweiber oder Emanzen. Aber auch heftigere Gegenreaktionen sind je nach Stärke der Abweichung denkbar.

Laut der Theorie der sozialen Rollen von Eagly neigen Menschen zur Annahme, dass Frauen und Männer Merkmale aufweisen, die für ihre jeweiligen sozialen Rollen typisch sind, wodurch wir wieder bei den Stereotypen wären. Das Frauenstereotyp der Wärme kommt nicht von ungefähr, sondern lässt sich mit der Rolle der Hausfrau und Mutter in Verbindung bringen oder auch mit Berufsrollen, die gesellschaftlich einen eher niedrigen Status aufweisen, wie Grundschullehrerinnen oder Krankenschwestern. Auf Seiten der Männer lässt sich das Stereotyp der aufgabenbezogenen Kompetenz der Ernährerrolle und Berufsrollen mit hohem Status zuordnen. Damit sind zum Beispiel Manager oder Rechtsanwälte gemeint.

Angenommen eine Frau versucht nun in einem von Männer dominierten Beruf Karriere zu machen, wird sie es nicht unbedingt leicht haben und muss unter Umständen sogar mit Anfeindungen rechnen. Sie entspricht damit nämlich nicht dem sog. Paternalistischen Frauenstereotyp, so wie Frauen aus männlicher Sicht sein sollten. Für sie wurde der Begriff der Karrierefrau erschaffen, die sich eben nicht mehr durch Wärme, sondern durch Kompetenz auszeichnet. Ähnliches sehen wir im Bereich der Sportarten. Man denke nur einmal an die Beliebtheit von Männer- und Frauenfußball. Und wehe eine Frau kommentiert ein Fußballspiel der Männer. In die Küche mit ihr!

Letztlich kann man festhalten, dass jene Verhaltenserwartungen durch sozial gebildete Rollen einer Aufrechterhaltung der Geschlechterhierarchie in der Gesellschaft dienen. Deswegen ist es durchaus sinnvoll Stereotype, welche sich aus altbackenem Rollendenken ableiten lassen, endlich abzubauen. Doch wir hängen irgendwie fest. Wie kann das sein?

Kommen wir in ein fremdes Kinderzimmer können wir mit großer Wahrscheinlichkeit sofort erkennen, ob es von einem Jungen oder Mädchen bewohnt wird. Wir wissen, dass Mädchen eher rosa Kaffeekränzchen mit ihren Puppen veranstalten, während Jungs mit blauen Spielzeugautos auf Erkundungstouren gehen. Selbst bei diesen scheinbar banalen Beispielen spiegeln sich die Kernstereotype in gewisser Weise wider. Eltern, Geschwister, Gleichaltrige oder auch die Medien inkl. diverser YouTube-Kanäle bestimmen mit, was es heißt Mädchen oder Junge bzw. Frau oder Mann zu sein. Anders ausgedrückt: Bereits im Kindesalter verinnerlichen wir Geschlechterstereotype.

Es gibt eine recht bekannte Untersuchung von Keller und Dauenheimer, die zu den Auswirkungen früh verinnerlichter Stereotype aufschlussreiche Ergebnisse liefern konnte. Schülerinnen der 6. Klasse einer Realschule erhielten per Zufallszuweisung eine von zwei Versionen eines Mathematiktests. Die Bearbeitungshinweise des einen Tests enthielten den Hinweis, dass sich bei den zusammengestellten Aufgaben bereits in vorherigen Studien bedeutsame Geschlechtsunterschiede gezeigt hätten. Die Bearbeitungshinweise des anderen Tests beinhalteten die Angabe, dass es keine Geschlechtsunterschiede gab. Ansonsten waren die beiden Tests identisch. Jetzt die große Preisfrage: Welche Mädchengruppe hat wohl besser bzw. schlechter abgeschnitten? Nahmen die Mädchen an, es hätte keine Geschlechtsunterschiede gegeben, schnitten sie genau so gut ab wie zu Vergleichzwecken getestete Jungen. Enthielt der Test aber den Hinweis, dass Unterschiede bestünden, schnitten sie im Vergleich zu den Jungs signifikant schlechter ab. Welches Stereotyp für dieses Ergebnis verantwortlich ist, wissen wir alle. Das Stereotyp „Mädchen seien in Mathematik weniger begabt als Jungen“ ist nach wie vor ein weit verbreitetes. Und vor allem einfach falsch.

Willkommen im Sexismus, unter dem sich Vorurteile, Stereotype und diskriminierende Verhaltensweisen subsummieren lassen, die auf einen ungleichen sozialen Status von Frauen und Männern hinwirken. Mit nur wenigen Ausnahmen konzentriert sich das Forschungsinteresse auf Sexismus gegenüber Frauen, was hauptsächlich auf ihre untergeordnete Position in der Geschlechterhierarchie zurückzuführen ist. Doch auch Männer bzw. Jungen werden durch gewisse Ungleichheiten benachteiligt.

Beispielsweise wird von Jungen durch die Auswirkungen elterlichen Verhaltens nachgewiesenermaßen eine stärkere Geschlechtsrollenkonformität erwartet als von Mädchen, welche es bei der Geschlechtsrollenorientierung aufgrund größerer Verhaltensmöglichkeiten wiederum leichter zu haben scheinen. Etwas einfacher ausgedrückt: Jungen, die mit Puppen spielen stoßen in ihrem Umfeld viel eher auf Unverständnis als Mädchen, die mit Autos spielen. Das liegt u.a. daran, dass sich die weibliche Rolle im Gegensatz zur männlichen in einem stärkeren Wandel befindet. Während sich Frauen erfreulicherweise mehr und mehr in traditionell männlichen Domänen beweisen, werden nur sehr wenige Männer in klassischen Frauenbereichen aktiv.

Ein starkes maskulines Geschlechtsrollen-Selbstkonzept kann sogar die Gesundheit beeinträchtigen. So fand man heraus, dass jene, die sich als besonders männlich bzw. maskulin wahrnahmen, in Stresssituationen physiologisch stark reagierten, zum Beispiel durch eine erhöhte Herzfrequenz, bei gleichzeitig geringem subjektiven Stressempfinden. Körperlich wirkt sich der Stress also immer wieder negativ aus, ohne dass das Bedürfnis zur Bewältigung besteht.

Was hinter Sexismus auch noch steckt, aber etwas weniger Beachtung findet, ist die Kehrseite. Neben feindseligem Sexismus á la Frauen sind Zicken und können nicht einparken, existiert nämlich noch ein wohlmeinender Sexismus. Die Ansicht, dass Frauen von Männern umsorgt und beschützt werden sollten, gehört beispielsweise dazu. Im nationalen Durschnitt sagen beide Sexismusdimensionen das Ausmaß der Chancenungleichheit von Frauen und Männern vorher. Gut gemeint ist halt oft nicht gut gemacht.

Ich will biologische Unterschiede im Hinblick auf das Erleben und Verhalten von Männern und Frauen keineswegs leugnen. Die gibt es selbstverständlich. Allerdings nicht in dem von uns angenommenen Ausmaß. Stereotype sowie Rollenkonzepte dienen unserer individuellen Orientierung und Handlungsplanung. Wir sollten uns aber bewusst machen, dass sie ebenso dafür sorgen, Personengruppen in bestimmte Schubladen zu stecken. Es gibt einfach nicht die Frau, sowie es nicht den Mann gibt.

Sonntag, 19. Juni 2016

[RR] LeFloid – Zwischen News und PANIKMACHE!!!


Textfassung:

In den letzten Wochen habe ich mich immer mal wieder mehr oder weniger kritisch mit dem YouTuber LeFloid befasst. Auf seinem Hauptkanal, der fast 3 Millionen Abonnenten zählt, bringt er seiner jungen Zuschauerschaft das aktuelle Zeitgeschehen nahe. Für seine LeNews pickt er sich dafür die nach seiner eigenen Auffassung berichtenswertesten Online-Artikel raus, erzählt sie verkürzt nach und lässt hier und da seine eigene Meinung einfließen.
Das klingt ja eigentlich gar nicht mal so schlecht. Und ich finde es durchaus legitim, dass er sich beispielsweise der Jugendsprache bedient, um seine Zielgruppe, die nun mal aus Jugendlichen besteht, zu erreichen. Auch gegen die doch sehr kompakte Darstellung seiner ausgewählten Themen inkl. Jumpcut-Hölle habe ich grundsätzlich nichts einzuwenden bzw. kann darüber hinweg sehen. 

Was ist also mein Problem mit LeFloid?

Nun. Er kriegt es nach all den Jahren, in denen er sein Hauptformat sendet, nicht auf die Kette einen Nachrichten-Artikel wahrheitsgemäß wiederzugeben. Tatsachen werden von ihm entweder bewusst oder wegen mangelnder Lesekompetenz verdreht und so manches mal mit verschwörungsideologischem bzw. irrationalem Gedankengut garniert. 
Neu sind meine Vorwürfe nicht. LeFloid stand schließlich schon mehrmals (z.B. hier und hier) wegen unsorgfältiger Recherche in der Kritik. Klar! Jeder macht mal'n Fehler oder zwei. Man kann aus ihnen lernen oder man macht einfach so weiter wie bisher. LeFloid hat sich bedauerlicherweise für letzteren Weg entschieden.

Um meine These zu untermauern habe ich mir insgesamt 15 Videos aus dem Zeitraum vom 02.05. bis zum 10.06.2016 angesehen und die fragwürdigsten Inhalte herausgearbeitet.

Video: Snapchat kann tödlich sein!

In seinem Video „Snapchat kann tödlich sein!“ berichtet LeFloid u.a. über ein Impfgegner-Paar, welches sein Kind an einer bakteriellen Meningitis hat sterben lassen. Die Eltern missinterpretierten die Symptome, vermieden es zum Arzt zu gehen und setzten zur Heilung stattdessen auf Gemüse. Schauen wir uns mal an, was Lefloid daraus gemacht hat:
Tja Freunde, Impfgegner sind ja so 'ne Sache. Ich meine, ich persönlich renne auch nicht jedes mal zum impfen wenn irgend'n neues Tier wieder aus'm Zauberhut gezogen wird, das angeblich die tödliche Grippe über die Welt bringt. Schweinegrippe, Vogelgrippe, ihr kennt ja den ganzen Kram. Dieses Jahr, falls es euch aufgefallen ist, brauchten die Medien oder die Pharmakonzerne gar keine neue Grippe. Denn für Ablenkung war ohnehin schon gesorgt. Dieses Jahr hatten wir Böhmermann. (lacht) Mann, Mann, Mann, Mann, Mann.

Ich versuche das mal etwas herunterzubrechen. LeFloid findet Impfungen grundsätzlich ok, außer wenn sie gegen Grippen eingesetzt werden, die von den Medien und Pharmakonzernen dazu missbraucht werden könnten uns von irgendetwas abzulenken. Sind diese Grippen vielleicht sogar Erfindungen der Pharmaindustrie? Immerhin stammen die infizierten Tiere laut ihm aus einem Zauberhut. Dann muss es doch auch einen Zauberer oder Illusionisten geben, der sie da rausgezogen hat, oder? Wäre zumindest logisch. Und wovon sollen wir eigentlich abgelenkt werden? Aliens, Illuminaten, Bundestagsbeschlüsse? Wüsste man nicht, dass es sich dabei um eine Aussage LeFloids handelt, würde man sie wohl dem Kopp-Verlag oder einer Facebook-Seite wie „Deutschland verbrennt den Impfpass“ zuordnen.
Ich möchte aber sachlich bleiben: Ja, die Schweinegrippe von 2009, als Repräsentant einer Zauberhutgrippe, wurde überschätzt und ja, die Schmähgedicht-Debatte um Böhmermann hat mit der Zeit etwas genervt. Aber Ereignisse, über die sehr umfassend berichtet wird als Ablenkungsmanöver darzustellen, halte ich für paranoid.

Ich bin weder Journalist, noch Mediziner, aber mit nur einer sehr kurzen Recherche erhält man schnell Anhaltspunkte, warum man 2009 eine so große Angst vor der am Ende doch eher harmlosen Schweinegrippe hatte. Und zwar war sie eine Variante der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 viele Millionen Todesopfer forderte. In Anbetracht dieser Information erscheint es doch irgendwie verständlich, dass die Alarmglocken schrillten. Auf der anderen Seite könnte man so eine Pandemie auch von vorne rein auf die leichte Schulter nehmen, wäre aber dumm. Doch genau das vermittelt LeFloid seiner Zuschauerschaft. Weiter im Text:
Aber dennoch sind mir diese Hardcore-Impfgegner und Windpocken-Party feiernden Eltern 'n Dorn im Auge und irgendwie suspekt. Jetzt zum Beispiel muss sich ein Ehepaar in Kanada vor Gericht verantworten und dem drohen bis zu fünf Jahre Haft, da es ihr Kind, 19 Monate alt, erkrankt an einer bakteriellen Meningitis, hat mehr oder weniger bewusst sterben lassen, statt ihm medizinische Versorgung zu gewähren. Die Eltern googelten die Symptome immer mal wieder, lehnten jegliche schulmedizinische Behandlung ab und behandelten das Kind stattdessen mit Naturheilprodukten wie Peperoni, Knoblauch, Zwiebeln oder Meerretich. Bei 'ner Hirnhautentzündung. Herzlichen Glückwunsch. Ganz ehrlich Freunde, man muss die Schulmedizin echt nicht geil finden, geschweige denn die Pharmakonzerne. Aber alter Falter. Das ist ein Kind! Geht verfickte Scheiße nochmal zum Arzt. Ihr habt die Verantwortung über ein kleines Leben. Also informiert euch und googelt nicht Krankheiten. Es ist sowieso immer Krebs.

Zu erst frage ich mich, was nach LeFloids Auffassung Hardcore-Impfgegner sein sollen und wie sie sich von normalen bzw. Softcore-Impfgegnern unterscheiden. Aber schön, dass sie ihm immerhin suspekt sind. Schließlich sind sie dafür verantwortlich, dass in irgendeinem Kindergarten mal wieder die durchaus tödlichen Masern ausbrechen.

Darauffolgend erzählt er den Fall nach, was ihm ganz gut gelingt. Doch dann wird’s plötzlich wieder haarsträubend, und zwar als er seine persönlichen Ansichten schildert. Lasst euch sein Statement nochmal auf der Zunge zergehen:

Ganz ehrlich Freunde, man muss die Schulmedizin echt nicht geil finden, geschweige denn die Pharmakonzerne.

Hier offenbart LeFloid also seine Einstellung zur sogennanten Schulmedizin, die sich bekanntermaßen von der Alternativmedizin abgrenzen lässt. Ich finde diese Unterscheidung falsch. Es gibt nur eine Medizin und die ist wissenschaftlich fundiert. Alles andere ist Betrug am Patienten.

Aber zurück zur Aussage, die einfach nur weltfremd und überheblich wirkt. Ich frage mich, zu wem LeFloid geht, wenn er ernsthaft erkrankt und sich evtl. einen Tumor rausschneiden lassen muss. Verweigert er dann auch überlebenswichtige Medikamente? Offensichtlich ja nicht. Ein paar Jumpcuts später soll man laut ihm nämlich verfickte Scheiße nochmal zum Arzt gehen. Denn wenn's ums nackte Überleben geht, ist die echt nicht so geile Medizin doch noch gut genug. Versteht mich nicht falsch, Kritik an Medizin und Pharmaindustrie ist angebracht, und zwar immer dann wenn es einen Grund für Kritik gibt. Was LeFloid hingegen macht, ist plumpe und damit argumentlose Verunglimpfung. Wir sollten uns glücklich schätzen das Privileg einer vernünftigen medizinischen Versorgung genießen zu können.

Video: TTIP – Es ist WIRKLICH so scheiße, wie wir immer befürchtet haben!

Das nächste Video bzw, Thema trägt den Namen: „TTIP – Es ist WIRKLICH so scheiße, wie wir immer befürchtet haben!“ Dieses Video enstand, nachdem Greenpeace die TTIP-Dokumente gealeaked hat. LeFloid bezieht sich dabei auf zwei Artikel. Den ersten gibt er zufriedenstellend wieder. Beim Zweiten schafft er's nicht so ganz. Aber steigen wir erstmal ein:
Fest steht jetzt, ja! US-Konzerne können Deutschland extrem unter Druck setzen, damit zum Beispiel genmanipulierte Produkte in unseren Läden verkauft werden. Nur so recht kennzeichnen will man das eigentlich nicht. Könnte sich ja schlechter verkaufen. Sogar deutsche Politiker sind schockiert was für eine Katastrophe das TTIP-Freihandelsabkommen, nicht nur für uns als Endverbraucher, sondern beispielsweise auch für die Natur, den Naturschutz, bedeutet. Es ist noch Zeit die Notbremse zu ziehen! Es kommt natürlich auch auf jeden einzelnen von euch an.

Zunächst möchte ich auch hier betonen: Kritik ist immer berechtigt, zumal es sich um ein sehr komplexes Thema handelt und einige Veränderungsprozesse in Gang gesetzt werden, die mit den Verbraucherinnen und Verbrauchern unbedingt kommuniziert werden sollten. Bleiben wir bei LeFloid und vergleichen einfach mal das Gesagte mit dem, worauf er sich bezieht.

Hier ist ein Auszug eines Spiegel-Artikels, den er verlinkt hat. Da steht geschrieben:
Deutschland werde keine Absenkung von Sozial-, Umwelt- und Verbraucherschutz-Standards akzeptieren. [Anm: lt. Regierungssprecher Seibert]

Eine Sprecherin von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), dessen Ministerium innerhalb der Regierung bei TTIP die Federführung hat, sagte: "Es wird kein Hormonfleisch geben." Die EU werde auch die Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Lebensmittel nicht ändern. Schutzstandards für Mensch, Tiere und Umwelt würden durch TTIP nicht infrage gestellt, ebenso wenig das im EU-Recht verankerte Vorsorgeprinzip.

Die EU-Kommission wies die Kritik von Greenpeace an TTIP zurück. "Kein EU-Handelsabkommen wird jemals die Standards bei Verbraucherschutz, Lebensmittelsicherheit oder Umweltschutz absenken", schrieb EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström am Montag in einem Blog-Eintrag.

Trügt mich jetzt mein Urteilsvermögen oder steht da einfach mal genau das Gegenteil von dem, was uns LeFloid als News verkaufen möchte? Auf den Spiegel-Artikel kann er sich jedenfalls nicht bezogen haben.

Eine Sache zur Gentechnik. Es gibt sicher viele Ansätze das Freihandelsabkommen zu kritisieren, eine irrationale Angst vor genmanipulierten Lebensmitteln zu schüren, stellt aber wahrscheinlich den schwächsten Ansatz dar. Hier überwiegt abermals Meinung, statt Wissen. Für alle Interessierten: Ich verlinke euch zum Thema Gentechnik mal einen interessanten Beitrag. Hier findet ihr ihn.

Kommen wir nun zum verschwörungsideologischen Part:
Aber ratet mal wer das jetzt unbedingt so schnell wie's nur geht durchpeitschen will! Richtig! Natürlich! Merkel! Unsere Lobby-Queen höchstpersönlich. „Will die TTIP Verhandlungen jetzt zu einem schnellen Abschluss führen. Was? Ihr Volk wollt das nicht? Tja, ich als Volksvertreter sag euch: Fickt euch!“ Wisst ihr an wen mich das extrem erinnert? Ich muss jetzt mutmaßen, aber Merkels Position als Kanzlerin wackelt ja doch ein bisschen und mit sowas macht sie sich garantiert keine Freunde. Aber kurz vor dem Ende seiner Amtszeit hat Gerhard Schröder damals auch diesen fetten Gazprom-Deal eingefädelt. Danach war er ein sehr gut betuchter Mann. Und nach dem Durchboxen des TTIP-Freihandelsabkommen ist vielleicht Merkel irgendwann keine Kanzlerin mehr, aber mit Sicherheit eine sehr, sehr reiche Frau. Ich mein ja nur!

Dass Merkel die Verhandlungen fortführen und auch abschließen will, steht auch im Spiegel-Artikel, doch beim Rest gruselt es mich. Ich möchte es an dieser Stelle nochmals anmerken: LeFloid hat eine enorme Reichweite, von der viele Medienhäuser nur träumen können. Und mit seinen Videos wirkt er unweigerlich auf die Meinungsbildung vieler junger Menschen ein. Jeder weiß, dass das Internet ein Nährboden für Verschwörungstheorien aller Art ist, die wiederum Menschen zu Idioten werden lassen. Ist LeFloid das nicht bewusst, wenn er so ein haltloses Geschwurbel von sich gibt? Ich mein ja nur! 

Video: Wie viel GIFT steckt in deinem Essen?

Machen wir einfach beim nächsten Thema weiter: „Wie viel GIFT steckt in deinem Essen?“ Mal sehen, was er zu sagen hat:
In aller Munde, das Pflanzenschutzmittel Glyphosat. In aller Munde, versteht ihr? Weil's überall drin ist. (lacht) Nein. Und natürlich auch in den Medien. Denn die WHO, also die Weltgesundheitsorganisation hat dieses Pflanzenschutzmittel als krebserregend eingestuft. Wundert uns das bei Pestiziden? Und jetzt alle! Neeein! Leider aber ist dieses Glyphosat für die Herstellerfirma Monsanto ein weltweites Milliardengeschäft. Jetzt hat also ein anderes Institut in Zusammenarbeit mit der WHO bewiesen, ätsch bätsch, Glyphosat ist doch nicht so krebserregend. Äh moment! Das wundert mich jetzt schon. Achso! Ne, moment. Das Institut hat ja 'ne 500.000 Dollar "Spende" [Anm: Bildet pantomimisch Anführungszeichen] von Monsanto erhalten. Ah, wat'n Zufall! Nachtigall, ick hör dir Trapsen. Gab's da etwa gekaufte Meinungen? Ja! Und das beweist einmal mehr 'ne simple mathematische Rechnung: Profitgier > Menschenleben. Tja. Unschön ist nur, dass auch die dafür zuständige EU-Kommission nur in den Startlöchern hängt: „Wir brauchen irgend'n Gutachten, dass es nicht so schlimm ist! Komm! Irgendwas! Irgendwas! Irgendwas! Saugt euch was aus den Fingern! Was? Die!“ Und schon ist Glyphosat vorerst weiterhin erlaubt. (lacht) Fuck!

Wo soll ich da bloß anfangen? Die Debatte um Glyphosat wird in etwa genau so irrational geführt, wie jede andere Debatte, die auch nur annähernd etwas mit Gentechnik zu tun hat. Fakt ist, dass das Herbizid schon seit Jahrzehnten sehr erfolgreich eingesetzt wird, die moderne Landwirtschaft vorangetrieben hat und aus Sicht der Wissenschaft gesundheitlich unbedenklich ist. Wie kommt es also zu dem widersprüchlichen Ergebnis, Glyphosat sei krebserregend?

Wie so oft macht die Menge das Gift. Mögliche Schäden treten erst durch sehr hohe Konzentrationen auf. Und da liegt vereinfacht gesprochen auch der Knackpunkt. Hier, hier und hier findet ihr dazu ein paar aufschlussreiche Artikel.

LeFloid weiß es natürlich wieder besser. Als Quelle dient ihm dabei ein Artikel einer gemeinnützigen Nichtregierungsorganisation, welche politische Kampagnen organisiert. Ich rufe in Erinnerung: Es geht hier immer noch um ein News-Format, von dem man eigentlich Objektivität erwartet. Stattdessen verbreitet LeFloid erneut unnötig Angst und seine verschwörungsideologische Denke.

Ja, diese Spende muss man kritisch sehen, das bestreite ich gar nicht. Man muss auch kein Fan von Monsanto sein, sollte aber wenigstens in der Lage sein zu differenzieren. LeFloid fantasiert munter drauf los und macht Hirngespinste zu Fakten. Und das beweist einmal mehr 'ne simple mathematische Rechnung: Skandalisierung > Rationalität.

Video: Chili-Tampon-Prank? WARUM???

Im Video „Chili-Tampon-Prank? WARUM???“ redet er u.a. über die Waffenexporte der Bundesregierung. Hier geht es mir mal nicht um den eigentlichen Inhalt, sondern viel mehr um seine Schlussfolgerung:
Wisst ihr, Leute. Und sich dann groß wundern, wenn der Bumerang irgendwann zurückgeflogen kommt in Form von "Flüchtlingswellen" [Anm: Bildet pantomimisch Anführungszeichen] und euch den Kopf abschneidet, ganz ehrlich.

Ach LeFloid, ich weiß, dass du grundsätzlich ein weltoffener Mensch bist und sicher nichts gegen Flüchtlinge hast. Mit solch einer Aussage inkl. Anführungszeichen befeuerst du allerdings die Ängste unserer selbsternannten Asylkritiker, welche hinter jedem Flüchtling einen potenziellen Terroristen vermuten.

Video: Grauenvolle medizinische Experimente an Menschen (in Deutschland)

So, am Ende kommen wir noch zu „grauenvollen medizinischen Experimenten an Menschen (in Deutschland)“. Was da wohl wieder hintersteckt? Lasst es uns herausfinden:
Apropos mit Anlauf in die Fresse: Die Pharmaindustrie ist jetzt nicht unbedingt dafür bekannt, dass sie so die beliebteste unter allen Industriezweigen ist. Und sind wir mal ganz ehrlich, sie tut ja auch regelmäßig alles was sie kann dafür, dass sie irgendwie kacke dasteht in der Öffentlichkeit.

Klar, argumentloses Pharma-Bashing geht immer. Wie wir gelernt haben, wollen die uns mit ihrem Zauberhut sowieso nur ablenken. Aber springen wir lieber vom Ideologie- zum News-Part:
"Mittäter" [Anm: Bildet pantomimisch Anführungszeichen] in dieser Angelegenheit über die wir jetzt sprechen ist der Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe von der CDU. Die Pharmakonzerne und der wollen nämlich ein Gesetz durchsetzen, dass man Medikamentenexperimente jetzt an menschlichen Versuchskanninchen, also "Patienten" [Anm: Pantomimische Anführungszeichen] durchführen darf, die sich nicht dagegen wehren, geschweige denn das Ganze überhaupt einwilligen können. Demenzkranke zum Beispiel. Menschen, die überhaupt keine Wahl haben und nicht wissen wie ihnen geschieht. Das Geilste – nicht – daran ist, dass es sich bei diesen Experimenten um 'ne sogenannte fremdnützige Forschungsreihe handelt. Das heißt die Patienten werden mit etwas vollgepumpt, das ihnen überhaupt nicht hilft. Aber da kann man wunderbar zum Beispiel Nebenwirkungen auschecken. Jemand der sich Bundesgesundheitsminister schimpft, wie sagten die alten Philosophen früher schon: Er möge sich ficken! Ganz ehrlich, in Grund und Boden schämen und zurücktreten, wenn sowas rauskommt. Das ist das einzige. Andernfalls hoffentlich 'n großer öffentlicher und medialer Tritt in die Eier, Bro!

Wenn das wirklich so stimmt, wie's uns LeFloid auftischt, dann ist das schon heftig. Schauen wir uns auch hier einfach mal den Artikel an auf den sich unser News-Ass bezieht. Im Artikel steht geschrieben, ich zitiere:
Mit dem Gesetz will Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) erreichen, dass nicht einwilligungsfähige Patienten unter bestimmten Voraussetzungen an Arzneimittelexperimenten teilnehmen, die ihnen selbst keinen Nutzen bringen.

Soweit so übereinstimmend. Was sind das denn für Voraussetzungen?
Natürlich legt kein deutscher Gesundheitsminister ein Gesetz vor, das verwirrte Senioren gegen deren Willen zur Studienteilnahme zwingt. Stattdessen sollen nur jene Alzheimerkranken in gruppennützige Experimente einbezogen werden, die dies vor Ausbruch der Krankheit - also bei klarem Verstand - in einer Patientenverfügung so festgehalten haben.

Das hat LeFloid offenbar unter den Tisch fallen lassen. Weiter heißt es:
Dazu kommt, dass laut dem Entwurf der jeweilige gesetzliche Vertreter des Demenzkranken einer konkreten Studienteilnahme gesondert zustimmen muss. Recht wahrscheinlich ist, dass das Gesetz nicht so in Kraft treten wird, wie es das Bundeskabinett auf den Weg gebracht hat.

Und ein letztes mal: Ja, auch bei diesem Gesetzesentwurf darf man ruhig mal seine Bedenken äußern. Doch auch hier nimmt's LeFloid mit der Wahrheit alles andere als genau. Hätte er sich mit dem Thema etwas gründlicher befasst, wüsste er zudem, dass neue Medikamente nicht mal eben so an Menschen getestet werden, schon gar nicht wenn schwere Nebenwirkungen zu erwarten wären. Und wenn doch mal welche auftreten, wird die Behandlung sofort abgebrochen.

In einer Zeit, in der irrationale Ängste Hochkonjunktur haben, können wir ein solches News-Format so nicht gebrauchen. Gerade wenn es um politische Themen geht, ist ein gewisses Maß an Sachverstand gefragt. Von einem YouTuber mit dieser Reichweite und Verantwortung erwarte ich das einfach. Dazu gehört neben einer sorgfältigen Recherche auch der Verzicht auf populistische Halbwahrheiten und Verschwörungstheorien. Unter LeFloids Videos sind durchaus auch welche, bei denen ich nichts zu beanstanden wüsste. Davon bitte mehr!

Mittwoch, 1. Juni 2016

[RR] Über Kinderfotos im Netz und Family Vlogs



Textfassung:

Diesen #rayge widme ich allen Eltern, die ihre Kinder lieben. Es gibt so einige unter euch, egal ob sich nun Mamas oder Papas angesprochen fühlen wollen, die sind naturgemäß besonders stolz auf ihren niedlichen Nachwuchs – so stolz, dass sie am liebsten jedem Hinz und Kunz zeigen wollen, wie süß das Töchterchen auf dem Töpfchen sitzt oder der Sohnemann drollig dreinschauend mit Plastikschaufel in den Patschehändchen am Strand stolziert. Früher, irgendwann vor Social Media, aber nach Christus, hat man zu diesem Zweck Fotos entwickeln lassen, klebte sie mit Pritt-Stift in dafür vorgesehene Alben und zeigte sie der Verwandtschaft oder Freunden, sofern diese sich eines Besuches erbarmten. 

Bis Heute hat sich prinzipiell nichts daran geändert, bis auf die Wahl des Mediums. Plattformen wie Facebook, Instagram und Co. machen es uns sehr einfach jedes noch so belanglose Detail unseres Daseins mit theoretisch jedem auf diesem Erdball zu teilen. Was Hinz und Kunz schon lange über uns wussten, wissen nun auch Wong und Wang - aber nur falls sie es irgendwie schaffen die Internetzensur ihres Landes zu umgehen. Oft gelangen neben den interessantesten Farmville-Level-Updates und des von Schieferplatten abfotografierten Feldsalats, auch besagte Kinderfotos ins World Wide Web.

Angela Merkel die Erste merkte einst an, dass das Internet für uns alle Neuland sei. Und jeder Social-Media-Hipster bepisste sich vor lachen. Haha! Aber im ernst, auf der Datenautobahn kennen wir nur die Überholspur, wenn man mal davon absieht, dass täglich viele, damit meine ich wirklich sehr viele Menschen auf irgendwelche dubiosen Gewinnspiele und Fake-Nachrichten reinfallen und keinen blassen Schimmer haben wie sie die Privatsphäre-Einstellungen ihres Facebook-Accounts vernünftig bedienen können.

Eine Seite wie Henriettes Kinderbasar setzt genau an dieser Schwachstelle an und führt arglose Eltern ohne Medienkompetenz hinters Licht, indem sie öffentlich eingestellte Kinderfotos von unbeschränkt einsehbaren Facebook-Profilen via Teilen-Funktion weiterverbreitet. Irrwitzigerweise sollen die Seitenbetreiber haufenweise Beschwerden besorgter Eltern erhalten haben, mit der Forderung die peinlichen Bilder ihrer Sprösslinge umgehend zu entfernen. Sogar Anzeigen soll es gegeben haben. 

Liebe Eltern, wie bereits angedeutet, habt ihr es selbst in der Hand. Ändert eure Privatsphäre-Einstellungen oder besser noch - Löscht die Fotos! Dann verschwinden sie wie von Zauberhand, auch vom Kinderbasar. Ach! und bevor ich es vergesse, liebe Henriette: Wer die Intention hat Eltern bloßzustellen, weil sie ihre Kinder bloßstellen, gibt sich bloß selbt die Blöße, wenn er dafür Kinder bloßstellt.

Manche fragen sich jetzt bestimmt, was daran überhaupt so schlimm sein soll, knuffige Fotos unserer Kleinsten bei Facebook und Co. einzustellen. Ich möchte an dieser Stelle gerne die Hagener Polizei zitieren, welche gutgläubige Eltern bereits 2015 zur Vorsicht ermahnt hat:
Vielleicht finden Sie die Fotos heute süß, Ihrem Kind sind sie in ein paar Jahren aber endlos peinlich. Oder Ihr Kind wird damit sogar gemobbt. Noch schlimmer: Pädophil veranlagte Menschen bedienen sich solcher Fotos und nutzen sie für ihre Zwecke bzw. veröffentlichen sie an anderer Stelle. Auch ihre Kinder haben eine Privatsphäre. Kinderfotos haben in sozialen Netzwerken grundsätzlich nichts zu suchen. Denn das Internet "vergisst" nichts. - Polizei Hagen, Facebook

Ich ergänze: Kinder haben neben einer Privatsphäre auch Persönlichkeitsrechte, aufgrund derer sie ihre Mamis und Papis Jahre später zur Rechenschaft ziehen und auf Unterlassung sowie Schadensersatz verklagen können. Ein Bekannter meiner Nachbarin hat mir neulich erzählt, dass ein befreundeter Vater sogar eine zweimal lebenslängliche Todesstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung erhalten hat. Also, nehmt's lieber ernst, liebe Eltern!

Aber beleuchten wir nun einmal eine andere große Selbstpräsentations-Plattform nach ihrem Kinder-Content. Wer Fotos zu zweidimensional findet und auch noch ein bisschen Kohle verdienen will, der landet schnell bei YouTube: Broadcast to sell. Das Kanalkonzept einiger Vloggerinnen und Vlogger besteht ausschließlich darin ihren äußerst spannenden Alltag zu filmen, mit allem was so dazu gehört. Und wenn Kinder dazugehören, umso besser! Die sind schließlich fast so süß wie Katzen und gehören zu den anerkannten Währungen im Internet. Das spiegelt sich natürlich im Erfolg wider. Nicht selten erreichen Familienkanäle mehrere hunderttausend Abonnenten.

Da hätten wir zum Beispiel Patrycja (PatrycjaPageLife) mit ihrem Lebensgefährten Idris inklusive den Kindern Selin, Izel, Can und Acelya. In ihrem Format „It's my Life“, kann man der Familie als unterhaltungsbedürftiger, aber nicht allzu anspruchsvoller Zuschauer bei Alltäglichem sowie diversen Freizeitbeschäftigungen unzensiert über die Schulter gucken, sich beispielsweise mit den Kindern über ein iPad zum Geburtstag freuen und mit der Mama 'ne Träne verdrücken, wenn jenes Tablet ein paar Episoden später durch vollen Körpereinsatz der quengeligen Quälgeister zerstört wurde. Als ein Zuschauer mit ganz anderen Bedürfnissen könnte man stattdessen darauf achten in welchem Ort die Familie wohnhaft ist, wie die nähere Umgebung rund um ihr Haus ausschaut, die Kinder ein bisschen zu sehr ins Herz schließen und sich dabei gelegentlich vorm heimischen PC eine Banane schälen.

Auf der anderen Seite gibt es sehr verantwortungbewusste Mami-Vloggerinnen, so wie Isabeau mit ihrem Verlobten Alex und den Töchtern Leona und Pauline. Kindergesichter werden hier nämlich konsequent weggepixelt. Intime Momente wie das erste Aufeinandertreffen der beiden Töchter im Krankenhaus kriegt der Zuschauer aber selbstverständlich zu sehen. Was spricht schon dagegen? Neidische Hater würden jetzt wohl anmerken, dass so ein zensiertes Gesicht den Kohl nicht fett macht, wenn auf der anderen Seite die privatesten Familienmomente offenbart werden. Immerhin schützt so eine Gesichtsanonymisierung vorm späteren Erkanntwerden auf der Straße. Aber auch nur in der Theorie. Wovor sie allerdings nicht schützt, sind Produktplatzierungen. Da kann's schon mal passieren, dass der eigentlich stinknormale Schuheinkauf zum heimlichen Werbedreh wird. Irgendwie erinnert mich das alles an den Film „Die Truman-Show“, bloß in einer viel unprofessionelleren Light-Version. Tausche Privatsphäre gegen Klicks und Klicks gegen Kohle.

Liebe Eltern, selbst wenn ihr eure Kinder fragt, ob sie einverstanden sind, dass ihr sie im Netz ausstellt, dann habt dennoch ihr die volle Verantwortung. Glaubt ihr ernsthaft, dass ein Kind in der Lage wäre die Tragweite eures Handelns mit allen denkbaren Konsequenzen reflektiert abzuschätzen? Seid nicht naiv, es sind immer noch Kinder. Verramscht sie nicht billig in den sozialen Netzwerken und lasst eure Kamera, egal ob ihr beabsichtigt Fotos oder Videos zu machen, öfter mal im Holster. Eure Kinder werden es euch vielleicht später einmal danken.

Mittwoch, 30. März 2016

[RR] Karma is a bitch?!



Textfassung: 

Karma bezeichnet ein spirituelles Konzept, nach dem jede Handlung – physisch wie geistig – unweigerlich eine Folge hat. Diese Folge muss nicht unbedingt im gegenwärtigen Leben wirksam werden, sondern sie kann sich möglicherweise erst in einem zukünftigen Leben manifestieren. [Wikipedia.de]

Ich habe den Eindruck, dass immer mehr Menschen, gerade jüngere, an dieses fernöstliche Konzept glauben. Allein in den sozialen Netzwerken begegnen uns ständig irgendwelche kitschigen Bildchen, die suggerieren, dass Karma allgegenwärtig sei und uns am Ende immer ficken würde. Fast so wie Gott nur in cool, unbehaart und mit weniger Gleitcreme.
Bei Betrachtung dieser überaus tief- und vor allem abgründigen Sprüche könnte man meinen, sie seien von sehr wütenden und eher feindselig eingestellten Menschen verfasst worden, welche von anderen Menschen ziemlich enttäuscht worden sein müssen. Facebook halt. Sicher würde in vielen Fällen ein einfaches Gespräch für Klärung sorgen. Aber warum sollte man problemorientiert vorgehen, wenn man die Sache auch völlig irrational angehen kann? Karma wird dieses Arschloch schon irgendwie finden und für seine Boshaftigkeiten und die Sache mit Mandy bestrafen. Undzwar mit der vollen Härte des kosmischen Gesetzes!
Halten wir fest: Unter dem Deckmantel dieses Konzepts lassen sich Rachegedanken spirituell legitimieren, ohne sich weiter mit zwischenmenschlichen Konflikten beschäftigen zu müssen. Füße hochlegen, Karma regelt!
Hä? Müsste man nicht schlechtes Karma kassieren, wenn man seinen Mitmenschen schlechtes Karma an den Hals wünscht? Und überhaupt - Wenn man angeblich immer das bekommt, was man verdient, dann hat die sich aufs Karma berufende Person möglicherweise genau jene Enttäuschung verdient. Kosmisches Gleichgewicht und so.

Es heißt, dass Karma den gesamten Kosmos berücksichtigt. Der Glaube daran setzt aber lediglich einen sehr begrenzten Horizont voraus. Für uns Menschen, die im Wohlstand geboren und wahrscheinlich auch im Wohlstand sterben werden, ist Karma 'ne ziemlich feine Sache. Denn wenn die Guten belohnt und die Bösen bestraft werden – Walt Disney lässt grüßen - muss man schließlich irgendwas Tolles in seinem vorherigen Leben geleistet haben und somit evtl. sogar kurz vorm großen Ziel, dem Nirwana stehen. Im Gegensatz zu diesen hungernden Kindern in Afrika, den schmarotzenden Flüchtlingen, welche womöglich ihre Angehörigen im Krieg verloren haben oder durchaus auch den zahlreichen Pelztieren, die nach Karma-Logik völlig zurecht bei lebendigem Leibe das Fell über die Ohren gezogen bekommen und danach in ihrem eigenen Blut qualvoll verenden. Um nur ein paar wenige Beispiele zu nennen. Selbst schuld!

Hmm, wartet mal. Apropos Kinder in Afrika: Könnte es sein, dass eigentlich wir, die in einem wohlhabenden Industrieland leben in gewisser Weise durch unsere Ignoranz und unseren Billigkonsum dafür sorgen, dass es Menschen in viel ärmeren Ländern nachhaltig nicht ganz so gut wie uns geht? Ups! Vielleicht macht Karma ja mal 'ne Ausnahme, wenn ich mir erst das übernächste Modell meines Lieblings-Smartphones kaufe, bevor es mich nach meinem Ableben als Regenwurm wieder auferkriechen lässt. Ekelhaft!

Im Buddhismus und vor allem im Hinduismus dient das Karma-Konzept faktisch als moralische Grundlage zur Aufrechterhaltung des Kastenwesens bzw. zur Abgrenzung der finanziell erheblich besser ausgestatteten, oberen sozialen Schichten. [Psiram.com]

Fun Fact: Gläubige Hindus lassen tausende Obdachlose in der Gosse liegen, weil sie davon überzeugt sind, jene hätten es so verdient. Karma is a bitch!

Wisst ihr wer auch an Karma, Wiedergeburt und den ganzen kosmischen Käse geglaubt hat? Nationalsozialist und SS-Führer Heinrich Himmler. Der Holocaust ließ sich karmisch bestens rechtfertigen. Die Juden hatten demnach ihre Vernichtung verdient, da auch sie in ihren vorherigen Leben reichlich negatives Karma angehäuft haben mussten. Wow! Dieses Karma ist wie Chuck Norris, nur abermals unbehaart und weitaus unbarmherziger.

Wenn man nicht viel von Verantwortung hält und findet, dass manche Lebewesen unermessliches Leid verdient hätten, dann gibt es sicher zahlreiche Gründe an Karma zu glauben. Mir fällt allerdings kein vernünftiger ein.

Donnerstag, 17. März 2016

[Tweet] Candy Crush mit Globuli - Gibt es bald eine neue Spielwelt zu entdecken?

Wer kennt sie nicht - Die quietschbunten Welten rund um das beliebte Zeitvertreibsspiel Candy Crush? Das Spielprinzip ist einfach. Verbinde auf einem Spielbrett gleichfarbige Bonbons miteinander, sammle Punkte und löse knifflige Puzzles.

Gibt es neben den Fortsetzungen Soda Saga und Jelly Saga bald eine weitere Spielwelt zu entdecken? Ein scheinbar exklusiver Einblick verrät noch nicht viel. Diesmal könnte es aber darum gehen auf spielerische Weise die Welt der Homöopathie zu entdecken. Das kann natürlich nur gelingen, sofern das Spiel die Beta-Phase übersteht. Bei einem ersten Test ließen sich die neuen Candys nämlich nicht miteinander verbinden...

Freitag, 4. Dezember 2015

[Skep] Wollt ihr den totalen Frieden? - Meine zwei Reichspfennige zum neuen Naidoo Lied

Hurra! Der neue Song von Xavier Naidoo und den Söhnen Mannheims wurde bei Facebook, der Plattform für friedliebende Menschen, veröffentlicht. Er schimpft sich: Nie mehr Krieg!

Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Auf der Schnulzigkeits- und Paarreimskala erhält das Stück jedenfalls eine glatte 7,5. Um ehrlich zu sein, habe ich ein Vorwort von Til Schweiger erwartet, der ausdrücklich betont, dass er nur noch kotzen könnte. Dafür kotzt sich immerhin unser Xavier aus. Zumindest ein bisschen. Ich werde hier nicht den gesamten Songtext auseinandernehmen und analysieren. Dennoch möchte ich auf zwei Textstellen eingehen, die mir etwas fragwürdig erscheinen.

Zunächst handelt das Lied grob umrissen von einem christlichen Fundamentalisten, der in bester John-Lennon-Manier gegen Kriegseinsätze trällert. Da spricht der Text selbstverständlich Vielen aus der (eher nicht vorhanden) Seele. Krieg ist blöd, Frieden ist supi! So weit, so mittelmäßig. Es gibt allerdings gleich anfangs eine Passage, die etwas provokativ daher kommt und bereits für Wirbel und Gesprächsstoff sorgt:

"Muslime tragen den neuen Judenstern,
alles Terroristen, wir haben sie nicht mehr gern."

Jaja, der Paarreim ist auch hier mal wieder zu bemängeln. Aber darauf will ich gar nicht hinaus. Naidoo unterstellt uns, wen auch immer er damit meint, dass wir Muslime scheiße finden. Zieht er da tatsächlich Parallelen zur Judenverfolgung bzw. dem Holocaust? Nur mal fürs Protokoll, Xavier: Wenn jemand Vorurteile ggü. Muslimen hat und in jedem einen potenziellen Terroristen sieht, dann sind das deine Reichsbürger-Buddies. Und ich kann nur hoffen, dass du den Kampf gegen den IS nicht mit religiöser Verfolgung gleichsetzt. Das wäre nämlich irgendwie... naja, ich will nicht beleidigend werden.

Eine weitere Textstelle, die mir ein bisschen rätselhaft erscheint, ist die Folgende:

"Nie mehr Krieg, nie mehr Krieg.
Wenn wir das nicht sagen dürfen,
dann läuft doch etwas schief."

Zunächst einmal gebe ich Xavier recht. Zensur gehört zensiert! Doch ich frage mich gleichzeitig auf wen diese Zeilen nun wieder gemünzt sind - etwa auf die nordkoreanische Bevölkerung? Alleine mit der Veröffentlichung dieses Liedes führt Naidoo seine eigene Aussage ad absurdum. Wir haben hier in Deutschland und der westlichen Welt tatsächlich Meinungsfreiheit. Und ich prognostiziere, der Song wird auch nicht auf dem Index landen.

Fazit: Wir haben's hier mit einem mittelmäßigen Anti-Kriegs-Lied zu tun, was nicht an die Rührseligkeit des EDEKA-Werbespots herankommt, dafür aber mindestens genauso wenig Substanz besitzt. Unterm Strich bleibt die Frage offen, was sich der Künstler bei seinem Werk gedacht hat und ob er überhaupt gedacht hat.

Ich bin nach wie vor dafür, dass Naidoo folgenden Song singt: 

https://youtu.be/z4yMkJHI8eI

Montag, 23. November 2015

[RR] Adis Song für Xavier - ESC-Beitrag: Deutsches Reich

Hallo Freunde, hier ist wieder euer Adi! Leider darf unser Reichsbürger Xavier nicht beim Eurovision Song Contest für Deutschland mitmachen. Wisst ihr warum? Weil's Deutschland gar nicht gibt! Das war doch mal wieder Kalkül von der Lügenpresse. Typisch! Ich sag euch was: Wenn Australien beim ESC teilnehmen darf, dann zukünftig auch das Deutsche Reich! Dieses Lied habe ich extra für Xavier geschrieben. Also, wenn ich bitten darf: Sing meinen Song! Tu es fürs Deutsche Reich!

Freitag, 7. August 2015

[RR] Adi kommentiert Kommentare besorgter Bürger

Um Himmlers Willen, jetzt  reicht's! Heute präsentiert uns unser Adi brandanschlagsneue Kommentare besorgter Bürger. Für diejenigen, die alles glauben, was jemand in irgendwelchen YouTube-Videos macht/sagt: Es handelt sich dabei selbstverständlich um eine (Meta-)Parodie. Ähnlichkeiten mit anderen Hitler-Parodien sind rein zufällig. Ein besonderer Gruß geht an unsere Kadeppen an der Reichsbürgerfront.

Donnerstag, 16. Juli 2015

[Netz] Don't Judge Challenge? Don't Vaccinate Challenge!

Das Internet bringt bekanntlich hin und wieder besonders kostbare Challenges hervor, wie zuletzt die sogenannte 'Don't Judge Challenge', in der es darum geht zwei kurze Selfie-Videos zu drehen, die man mittels eines raffinierten Überblendeffekts (Hand auf Objektiv) zusammenfügt. Im ersten Teil geht es darum, sich besonders hässlich darzustellen. Die meisten  schminken sich dazu dunkle Punkte ins Gesicht, kritzeln sich die Augenbrauen in der Mitte zusammen oder setzen sich sogar eine Brille auf. Eine Brille! Nach dem genialen Cut in der Mitte zeigt die sich filmende Person ihr wahres Gesicht. Aus einem hässlichen Entlein wird ein selbstverliebter Schwan, aufgetakelt, immer noch überschminkt und mit einer Pose, die an den Pirelli-Kalender oder die neueste Titelseite der Bravo erinnert. Niemand hat die Absicht, Menschen, die nicht so makellos wie die nach Likes dürstenden Protagonisten sind, zu diskriminieren - passiert aber irgendwie trotzdem. So viel dazu.

Wer mich kennt weiß, dass ich niemals eine Challenge auslasse. Deswegen stellte die Teilnahme an der Don't Judge Challenge eine unausweichliche Pflicht für mich dar, der ich auf meinem YouTube-Kanal auch gewissenhaft nachgekommen bin. Allerdings habe ich sie ein bisschen abgewandelt...

Sonntag, 12. April 2015

[RR] ONE DAY WITH DAGI - Ein Brief an die Bienchenmama

Liebe Dagi,

mein Name ist @Bienchen_0815, ich bin 14 Jahre alt und schon seit 2 ½ Monaten dein aller größter Fan. Gefunden habe ich dich, weil so viele andere Mädchen aus meiner Stufe plötzlich lila Haare hatten und Mützen trugen, auf denen „Be a Bee“ stand. Ich dachte erst, es handelt sich mal wieder um so einen neuen Trend, bei denen beeinflussbare, in der Pubertät steckende Kinder, alles mitmachen, was ihnen ihr großes Vorbild vorlebt. Als ich dich dann auf YouTube fand, wusste ich aber sofort, dass da viel mehr hinterstecken muss.

Dein Lächeln hat mich sofort verzaubert. Immer wenn ich es heimlich vor dem Spiegel übe und Papa mich erwischt, schimpft er mit mir und sagt, dass ich nicht solche Grimassen ziehen soll, weil sonst mein Gesicht so stehen bleiben könnte. Der hat aber keine Ahnung!
Zum Glück verstehst du mich. Du vermittelst mir, dass ich so bleiben soll wie ich bin und mir Keiner was sagen kann. Deine Kritikresistenz spiegelt genau das wider, was ein pubertäres Mädchen im Inneren fühlt. Alle anderen sind sowieso nur neidisch und verstehen nicht, was es heißt ein treues Bienchen zu sein – und das bin ich.

Seitdem ich dich kenne, hat mein Leben einen neuen Sinn. Ohne dich wäre ich vielleicht eine labile Schülerin mit nur wenigen Freunden. Aber wer braucht schon echte Freunde, wenn man eine Community haben kann, in der junge Mädchen ihre Labilität gemeinsam ausleben können?

Wir sind wie eine große Bienchenfamilie, in der wir so tun können, als wären wir alle tief miteinander verbunden, obwohl wir uns in Wahrheit kaum kennen. Hauptsache wir wissen alles über unsere gemeinsame Bienchenmama, der wir soo viel zu verdanken haben.

Zum Beispiel bin ich dir dankbar, dass du bei Twitter deine neuen Videos mindestens drei mal ankündigst, damit sie auch niemand von uns verpassen kann. Mein Herz fängt an zu rasen, wenn du schreibst, dass es toll wäre, wenn wir deinen nächsten Tweet retweeten würden. Dann weiß ich, dass dein Video in wenigen Minuten online kommen wird. Mein Bruder sagt, das nennt sich Marketing. Der ist aber ein Hater und sowieso nur neidisch. Niemand kommt gegen die beste Community an.

Wenn es dann endlich soweit ist, logge ich mich in meine zwölf YouTube-Accounts ein, mit denen wir schon bald die zwei Mio. Abonennten holen werden. Ich weiß doch genau, wie sehr du dich über viele „Daumen nach oben“, Klicks und liebe Kommentare freust. Und es geht ja bloß um Feedback, wovon man bekanntlich nie genug haben kann. Es heißt ja nicht umsonst: Feedback regiert die Welt oder so.

Du hast schon eine Menge erreicht und ich bin einfach so stolz auf dich, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Selbst die Bild hat schon mehrmals über dich berichtet und ich finde es toll, dass diese Zeitung endlich mal junge Leser anspricht. Auch das gehört zum Quantitätsjournalismus oder wie das heißt. Und dann kommst du auch noch bald ins Kino, weswegen ich mich schon riesig freue. Ich finde es cool, dass Filmproduzenten und Verlage langsam erkennen, welche verbogenen... verborgenen Talente in YouTubern stecken. Denen geht es ja auch nur um positives Feedback.

Als sei das alles noch nicht genug, hast du dann auch noch die Kids Choice Awards gewonnen. Ich habe für dich soo oft abgestimmt. Echt eine gute Idee von Nickelodeon, dass sie die Abstimmung nicht begrenzt haben. So konnte ich Tag und Nacht für dich und die Opfer der GermanWings Katastrophe abstimmen, selbst während des langweiligen Unterrichts in der Schule. Wir Bienchen wussten ja, dass du den Award unbedingt haben wolltest und dein Wunsch ist unser Befehl. Für YouTuber wie dich würden wir schließlich alles tun - sogar Schule schwänzen, damit wir die ersten sind, die eure neusten Challenge-Videos, Tutorials oder Vlogs sehen.

Dagi, du bist und bleibst für immer mein großes Idol, genauso wie es Sami war, bis ich drei Monate später Bibi kennenlernen durfte. YouTube gibt mir einfach so viel. Durch dich und andere Heros weiß ich in meinem jugendlichen Leichtsinn nun endlich was es heißt zu leben. Ihr schlaft häufig bis um 13 Uhr, geht gefühlt jeden Tag auswärts essen, reist durch die halbe Welt und habt einfach Spaß. Niemand sollte eure dekadente Außenwirkung jemals in Frage stellen. Haters gonna Hate! Alles Neider!

Es wird Zeit, dass mir meine Eltern zum Geburtstag eine Kamera schenken. Wenn ich es dann noch hinkriege meinen Schlafrhythmus zu zerstören, bin ich ein waschechter YouTuber.
Noch bin ich nur ein einfaches Bienchen unter tausenden. Aber irgendwann werden wir uns treffen und dann lasse ich dich nie mehr los! Auch wenn ich gerade total fangirle, bist du kein Star für mich, du bist bloß mein Lebensmittelpunkt. Du bist diejenige, der ich 1.000 mal dieselben Worte schreibe, nur damit ich irgendwie von dir gesehen werde. Bei großen Bands oder Schauspielern hätte ich eine viel geringere Chance, da sie ihre Fans meistens gar nicht so sehr an ihrem Privatleben teilhaben lassen und auch nicht ständig vermitteln nahbar zu sein. Du bist zum Glück nicht so spießig. Danke!

Andere Bienchen belohnst du mit persönlichen Direct Messages, wenn sie dich auf jeder Plattform rund um die Uhr stalken. Ich hoffe, ich strenge mich genug an. Bin ich vielleicht doch das wertlose Mädchen, was niemand beachtet? Ich weiß, du bist stolz auf uns. Bist du auch stolz auf mich ... als Person hinter dem unkreativen Bienchen-Pseudonym?! Ich kaufe die Kleidung und die teuren Uhren, die du trägst und uns zeigst. Ich definiere mich über dich. Alles nur damit ich so bin wie du – damit du mich magst, damit du siehst, dass ich dich liebe. Wenn ich in den Spiegel schaue, dann sehe ich mittlerweile nur noch dich.

Warum kannst du mir nicht einfach bei Twitter folgen?! Das wäre doch nur ein Klick für dich. Dafür würde ich alles tun. Ich bin ein treues Bienchen! Rufst du mich vielleicht mal an? Mir geht es ehrlich gesagt gerade nicht so gut und ich habe heute Geburtstag, wie auch gestern schon. Warum ignorierst du mich einfach?! Ich verbreite deine Hashtags, ich like alles von dir!

Ich mache bei jedem Gewinnspiel mit, in dem du mir zeigst, dass Luxusprodukte erstrebenswert sind. Ich lasse mich von dir regelrecht konditionieren. Meine Pubertät kontrolliert mich und du hast Kontrolle über meine Pubertät. Weißt du das, Bienchenmama? Hast du meine anderen Liebesbekundungen gesehen – meine Collagen, meinen Bienchenvertrag, meine Tränen? Ich liebe dein Leben mehr als mein eigenes. Aber was muss ich noch tun, damit du mich endlich siehst … ?

Siehst du mich jetzt?



Donnerstag, 30. Oktober 2014

[Fik] Der Aufstieg und der tiefe Fall

Ich stehe in meinem Wohnzimmer, trage einen geblümten Bademantel und ziehe mit meinen blutunterlaufenen Lippen an der von mir selbst verschriebenen Pfeife. Den warmen Dunst inhalierend bemerke ich, wie sich meine Lunge in vertrauter Weise mit Dreck auffüllt. Das Sofa, welches grundsätzlich zum Sitzen oder Liegen auffordert, öffnet seinen pelzigen Schlund, noch bevor es mich anbrüllen kann.

> Es liegt sich so bequem wie in einem gut gepolsterten Sarg.

Ich schwelge in fadenscheinig-paranoiden Erinnerungen an fettige Teewurst und kalten Apfeltee. Nach gefühlten hundert Stunden Gedankenfolter löst sich mein Körper von meinem übriggebliebenen Verstand und beschließt, aufzustehen, um wie in Trance an der Schrankwand hochzuklettern. Meter für Meter verschwende ich aufsteigend meine Zeit, erkunde die Welt global. Um nicht abzurutschen, benutze ich geflochtene Zahnseide, die ich zur Sicherung an meinem Hals befestigt habe. Sie ist stabil genug um das Gewicht meines ausgemergelten Körpers auszuhalten.

> Ich würge!

Die Kotze läuft mir mal wieder beide Mundwinkel runter und tropft in die Gesichter derjenigen, die mich von unten anfeuern. Manche imaginierten Menschen, die von oben selbstverständlich wie Ameisen aussehen, rufen mir zu, dass ich doch einfach springen solle. Aber wohin soll ich springen, wenn der Boden aus blubbernder Lava besteht? Ohne Schuhwerk verbrenne ich mir schließlich die Füße. Abgefackelte Gliedmaßen sind wirklich das Letzte, was ich in dieser benebelten Situation gebrauchen kann. Der Gipfel ist zudem fast erklommen und der Schrankwand-Rekord rückt in greifbare Nähe. Der Rau(s)ch verschwindet langsam, die Luft wird dünner. Ich atme durch, als sei ich Protagonist einer unter Drogeneinfluss entstandenen Kaugummi-Reklame. In Wahrheit fühle ich mich hingegen wie Reinhold Messner auf LSD.
Oben auf dem Schrank explodiert plötzlich eine Granate direkt neben meinem Kopf. Die Splitter durchbohren zuerst meinen Schädel und dringen dann in meinen präfrontalen Kortex ein. Woher kam dieses verfluchte Scheißteil?! Und warum erkennt OpenOffice das Wort Scheißteil nicht? Ich mache mir zu viele Gedanken. Das ist suboptimal. Mit Splittern in der Rübe lässt es sich ohnehin schlecht denken, weswegen ich fortan nur noch anthroposophisch kommunizieren werde.

> Wir befinden uns in einem Nullsummenspiel ohne Gewinner. Kohlenstoff!

Tanzend falle ich von der Schrankwand in die Lava und verbrenne innerhalb weniger Sekunden bis auf die Knochen. Endlich ist das Fleisch runter und ich muss nicht mehr frieren. Knisternd liege ich so da, zapple mit meinen müden Knochen zu Iron Butterflys In-A-Gadda-Da-Vida und fühle mich wie der Hummer im heißen Kochtopf. Ich bin das Lebendfutter der Lava geworden und scheine mit ihr eine Symbiose einzugehen.

> Aber erstmal ist Toilettenpause.

Als der ganze Spuk ein Ende findet, flicke ich mich wieder zusammen und gehe durch mein versteinertes Wohnzimmer Richtung Fenster. Ich reiße es mit beiden Händen und zehn Fingern aus den Angeln. In dieser verschwitzten Sauna lässt es sich anders auch gar nicht mehr aushalten. Der säuerlich schmeckende Regen peitscht mir von draußen in meine Fresse - welche als Synonym für mein ganzes Gesicht stehen soll - und spült mir die Asche aus meinen aufgequollenen und völlig zerkochten Augen.

> Wie es hier wieder aussieht!

Mit dieser Aussage, die in der Regel jedem Kind das Fürchten lehren soll, beziehe ich mich nicht auf die Wohnung. Ich lege schließlich meinen Fokus auf die Stadt und ihre Einwohner, auf die ich durch das gigantische Loch in meinem Haus blicke. Ich beobachte sie wie ein Spanner seine potenziellen Opfer. Alle Menschen und ähnlich aussehende Kreaturen lassen ihre Köpfe nach unten hängen. Früher hat man seinen Blick auf den dreckigen Asphalt gerichtet, um nicht versehentlich in Hundekacke zu treten. Heute schaut man gen Boden, um auf irgendwelchen Apps herumzudrücken.

> Das ist Krieg!

Schon wieder explodiert eine Granate neben meinem Schädel. Die Splitter durchdringen abermals mein Hirn. Jesus von Nazareth! Wo sind die Schmerzen hin? Habe ich es etwa übertrieben? Bin ich besoffen von dem Mist, den ich mir täglich geben muss? Ich beginne wahrhaftig wahnhaft zu lachen. Dabei kriechen mir unzählige Schlangen aus dem Hals. Oder sind es vielleicht mutierte Bandwürmer, die meinen Mund mit meinem Gesäß verwechseln und nun die Freiheit suchen? Darüber will ich mir ehrlich gesagt gar keine Gedanken machen. Zu groß ist meine Abneigung gegen jegliches Gewürm. Schlangen wären hingegen in Ordnung. Ihr Gift lässt mich durchaus besser schlafen.

Würgend schaue ich aus dem Fenster und die Menschen schauen immer noch Richtung akkubetriebenen Gehirnersatz. Sie merken nicht einmal, wie sie dabei trotzdem durch die Scheiße trampeln, die sogar zwischen ihren Zehen hervorquillt und an ihnen langsam emporzuklettern versucht. Das kommt wohl davon, wenn man barfuß durch den Regen läuft und den Blick fürs Wesentliche verloren hat. Es offenbart sich mir ein Trauermarsch. Beerdigt werden heute die von imaginären Granaten zerfetzten Wertmaßstäbe, wie auch gestern schon und an Tagen zuvor. Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose. Morgen ist ein neuer Tag. Ich sollte mich unbedingt in meinen Sarg legen, den Deckel schließen und einen weiteren Zug aus meiner Pfeife nehmen. Der Wahnsinn endet nie.